Veranstaltung im Rahmen der Interkulturellen Woche 2026 Konzertlesung mit Texten und Liedern nach Gedichten Ilse Webers

Di. 17.11.2026 16:30–19:00 Uhr
EFG Schönebeck - SCHALOM-Haus, Republikstr. 43/44, DE-39218 Schönebeck

„In deinen Mauern wohnt das Leid.“

Wie kann man Leid als Mensch aushalten? Wie übersteht man die Enge, den Schmerz, das Grauen, das Getrenntsein von den liebsten Menschen? Eine Antwort darauf fand sich im Konzentrationslager Theresienstadt/Terezin/Tschechische Republik vergraben. Dort hatte ein Häftling das poetische Werk seiner Frau versteckt, bevor er in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau/Polen deportiert wurde. Wie viele solcher Verstecke voller Hoffnung wird es in dieser dunklen Zeit des Holocaust wohl gegeben haben? Dieses eine Versteck wurde geöffnet und ein wahrer Schatz an Texten ist so erhalten geblieben, der aufzeigt, wie sich Menschlichkeit dem Grauen entgegenstellt. Im Mittelpunkt der Konzertlesung stehen Texte und Lieder nach Gedichten Ilse Webers, die den Häftlingen im Konzentrationslager Theresienstadt Hoffnung und Zuversicht gaben. Gleichzeitig zeigen die Gedichte Ilse Webers aber auch das Leid auf, welchem die Häftlinge im Lageralltag ausgesetzt waren, da sie unter ständiger Todesdrohung standen.

Ilse Weber

(geb. Herlinger), geboren am 11.01.1903 in Witkowitz bei Mährisch Ostrau/ Tschechische Republik, war eine bekannte Kinder-buch- und Hörspielautorin und mit Willi Weber verheiratet. Das Ehepaar hatte zwei Söhne und litt zunehmend unter der Ausgrenzung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung nach der Besetzung der Tschechoslowakei und dem Ausbruch des Krieges. Der ältere Sohn kam 1939 mit einem rettenden Kindertransport nach England, die übrige Familie wurde 1942 ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Dort arbeitete Ilse Weber als Krankenschwester auf einer Kinderstation und verfasste in dieser Zeit über 50 Kinderreime, Schlaflieder und Gedichte für ihre kleinen Patienten sowie Texte für die Häftlinge, welche sie vertonte und mit ihrer Gitarre vortrug. Sie ermutigte ihre jungen Patienten, eigene Lieder und Gedichte zu schreiben und gründete einen Chor, der bei den Freizeitaktivitäten der Häftlinge mitwirkte. Mit ihren Texten und Liedern schaffte sie es, in dieser für alle schrecklichen Zeit auch das Schöne zu sehen. Nachdem ihr Mann im September 1944 ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau/Polen deportiert wurde, ging sie im Oktober 1944 mit ihrem jüngeren Sohn und einer Gruppe ihr anvertrauter Kinder ebenfalls auf einen Transport dorthin. Am 06.10.1944 wurde Ilse Weber zusammen mit ihrem Sohn im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ermordet.


Die Gestalterinnen der Konzertlesung sind Sabine Beyer (Moderation, Vertonung der Texte und Gesang) und Regina Kolb (Klavier).

Sabine Beyer ist ausgebildete Krankenschwester und arbeitet als medizinische Fachangestellte in einer Arztpraxis in Leipzig. Seit ihrer Jugend hat Musik vieler Stilrichtungen einen wichtigen Platz in ihrem Leben, besonders auch als Sängerin in verschiedenen Chören, wie seit einigen Jahren in der Friedenskantorei Leipzig. Seit 2017 nimmt sie Gesangsunterricht bei Regina Kolb und seit 2019 Kompositionsstudien bei Kilian Verburg in Leipzig. Ein besonderer Schwerunkt ihrer Arbeit sind Textvertonungen, zum Beispiel der Gedichte Ilse Webers.

 

Regina Kolb /studierte Kirchenmusik (Kirchenmusikschule Halle/S.), klassischen Gesang und Musical an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig. Schon in der Studienzeit war sie als Sängerin in Konzerten und auf der Bühne aktiv. Seit dem Jahr 2000 arbeitet sie verstärkt als Gesangspädagogin und Chorleiterin. Mit zahlreichen Singenden studierte sie Auftrittsprogramme und Bühnenstücke ein. Als Leiterin des „ShowChor L.E“., des Frauenchors „Canta Animata“ und des Vocalensembles der Musik- und Kunstschule Landkreis Leipzig pflegt sie intensive Konzerttätigkeit in Leipzig und über die Landesgrenzen hinaus.